Klimabündnis Freiburg
Offener Brief an Herrn Dr. Salomon - Nov 2008
Rückkauf der Badenova-Anteile der Thüga
Freiburger Klimabündnis lädt ein zur Podiumsdiskussion
Wie soll die Neue Energiepolitik für Deutschland & die Region Freiburg nach der Bundestags-Wahl 2009 aussehen?
Klimabündnis Freiburg stellt Studie zum Ausbau der Kraftwärmekopplung (KWK) in Freiburg vor!
Nach dem Abschalten einiger Atomkraftwerke in Deutschland wird der Ausbau der Kraftwärmekopplung um so wichtiger.
Die Atomreaktorkatastrophen von Fukushima/Japan 2011, Tschernobyl /UdSSR1986, Harrisburg/USA 1979, viele andere Atomkraft-Unfälle und Beinahe-Katastrophen auch in Deutschland verlangen den unverzüglichen Ausstieg aus der Atomenergienutzung.
Der Rhein ist heute 3 °C wärmer als vor 100 Jahren
… 1° C durch den Klimawandel,
... 2° C durch die nicht nutzbare Abwärme der großen Kraftwerke.
Die heutige Stromerzeugung verschwendet erheblich Energie. Die Kraftwerke müssen mit Wasser gekühlt werden. Theoretisch würde die Abwärme der Kraftwerke ausreichen um alle Gebäude in Deutschland zu beheizen. Etwa 2/3 der Energie, die in den Kraftwerken eingesetzt wird, kann jedoch nicht genutzt werden.
Die Kraft-Wärme-Kopplung nutzt die Abwärme der Stromerzeugung zur Beheizung der Gebäude und nutzt damit die Energie, die heute zur Erwärmung z.B. des Rheins verschwendet wird. Zur Kraftwärmekopplung werden in Blockheizkraftwerken (BHKW) typischerweise Auto- und LKW-Motoren eingesetzt, die im Erdgasbetrieb Strom und Wärme erzeugen.
Schon 5% der jährlichen Autoproduktion in Deutschland würde genügen um innerhalb von 4 Jahren so viele BHKW’s zu produzieren, dass der gesamte Strom, der bislang aus Kernenergie stammt nun in KWK erzeugt werden könnte.
Wenn man jeden 15. Fahrzeugmotor Deutschlands (PKW + LKW) im Keller als BHKW aufstellen würde, so könnte damit sofort der gesamte Strom aus Kernenergie, Stein- und Braunkohle ersetzt werden. Die Studie von Klimabündnis und solares bauen im Auftrag der Stadt Freiburg verdeutlicht einmal mehr, dass der Einsatz von BHKW’s zur eigenen Stromerzeugung heute in vielen Fällen wirtschaftlich einsetzbar ist. Die Stadt Freiburg muss nach Ansicht der Autoren der Studie mit guten Beispiel vorangehen und innerhalb der nächsten 6 Jahre nahezu alle städtischen Gebäude mit einem jährlichen Energieverbrauch von mehr als 100.000 kWh auf Kraft-Wärme-Kopplung umstellen.
Größten Handlungsbedarf auf Bundesebene sehen die Autoren der Studie in einer Anpassung der Einspeisevergütung für die Kraft-Wärme-Kopplung.
Ziel muss es sein die jetzige KWK-Förderungen zu entbürokratisierten und auf ein Modell entsprechend der Einspeisevergütung nach dem Vorbild des EEG umzustellen. Nach Ansicht der Autoren geht es nicht mehr darum wie und wann, sondern nur ob man eine Veränderung in der Energieversorgung will.
Kohle und Atom stehen auch den Klima- und energiepolitischen Zielen der Stadt Freiburg entgegen. In dieser Situation ist der massive Ausbau der energieeffizienten und klimaschonenden Kraftwärmekopplung geboten. Sie ist eine der drei Hauptsäulen der ökologischen Energiewende: Energieeinsparung, Energieeffizienz und Nutzung der erneuerbaren Energien. Das sind überdies die noch deutlich unvollendeten Säulen des bereits 1986 beschlossenen Freiburger Energiekonzepts.
Für eine glaubwürdige und erfolgreiche Freiburger Informationskampagne muss die Stadt Freiburg mit gutem Beispiel vorangehen und in ihren eigenen Gebäuden (Gebäudemanagement Freiburg, GMF) bereits im Rahmen des aktuellen Doppelhaushalts mindestens 20 Gebäude mit KWK Anlagen ausstatten.
Das Klimabündnis Freiburg fordert:
- das Atomkraftwerk Fessenheim und alle Atomkraftwerke in Baden-Württemberg und der Schweiz still zu legen,
- die Energiegerechtigkeit für alle Erdenbewohner und in Baden-Württemberg mittelfristig den Primärenergieleistungsbedarf auf 2000 Watt pro Einwohner zu begrenzen,
- den sofortigen konsequenten Ausbau der Erneuerbaren Energien aus Sonne und Wind (> 75% des Primärenergiebedarfs bis 2035 in Baden-Württemberg),
- den Ausbau der Kraftwärmekopplung als Ergänzung zu den Erneuerbaren Energien (Angemessene Einspeisevergütung für Kraftwärmekopplung bei gleichzeitigem Bürokratieabbau),
- dass die Stadt Freiburg mit gutem Beispiel voran geht und bis Ende 2012 den Anteil der Kraftwärmekopplung in städtischen Gebäuden deutlich ausbaut (> 30% beim Gebäudemanagement Freiburg),
- die Produktion von Wasserstoff / Ökomethan aus überschüssigem erneuerbaren Strom zur Nutzung der Transport- und Speicherkapazitäten des deutschen Gasnetzes (200 TWh) zu fördern.
Eine Blitzumfrage des Klimabündnis bei den Freiburger Landtagsabgeordneten hat ergeben, dass die meisten die genannten Forderungen alle weitgehend unterstützen.
Die Pressemitteilung enthält 6588 Zeichen (mit Leerzeichen).
Für Rückfragen:
• Dr.Georg Löser, Tel. 0761 - 59 50161
• Dr. Jörg Lange, Klimabündnis Freiburg, Fon: 0761/ 45687136, 0151 - 21162854
• Martin Ufheil, Fa. Solares Bauen, Tel. 0761-4568840
Hintergrund zur KWK-Studie „Ausbau der Kraftwärmekopplung (KWK) in Freiburg “
Die Analyse hat das Umweltamt der Stadt Freiburg bei dem Planungsbüro Solares Bauen in Zusammenarbeit mit dem Klimabündnis Freiburg in Auftrag gegeben.
Das Klimabündnis-Freiburg will die ökologische Energiewende beschleunigen und fordert seit Jahren für die Stadt Freiburg eine Untersuchung zu Fragen der Kraftwärmekopplung. Diese Studie wurde am 14.3.2011 im Umweltausschuß des Gemeinderats vorgestellt und ist Teil der vom Gemeinderat Anfang 2010 beschlossenen BHKW-Maßnahmen in der Stadt Freiburg und Teil der anstehenden BHKW-Kampagne mit dem Klimabündnis Freiburg sowie weiteren Akteuren.
Das Klimabündnis Freiburg ist seit 2005 ein Zusammenschluss engagierter Bürgerinnen und Bürger, unterstützt u.a. von AK Energie & Umwelt, AK Wasser im BBU e.V., BUND RV Südlicher Oberrhein und Ortsgruppe Freiburg, econzept, ECOtrinova e.V., Energieagentur Regio Freiburg, fesa e.V., fesa GmbH, Greenpeace Freiburg, Ö-quadrat, VCD Südlicher Oberrhein e.V., waswirtun.de, Fa. Solares Bauen. Wir setzen uns ein für 100% Erneuerbare Energien, eine massive Steigerung der Energieeffizienz, Ausbau der Resourceneffizienz, Reduktion der CO2-Emissionen
Tarnung für den Kohlepfennig – wird die Chance für die Energiewende verpasst?
Bundesrat und Bundestag stehen vor der Novellierung des Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetzes. Aus Freiburg kommt deutliche Kritik am Entwurf der Bundesregierung, da er den dezentralen Ansprüchen größerer Städte schadet.
Gemeinsame Pressemitteilung von Klimabündnis Freiburg, ECOtrinova e.V. und fesa e.V.
Freiburg i.Br., 2. Februar 2012:
Der Entwurf der Bundesregierung für die Novelle des Gesetzes für Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) muss dringend fit gemacht werden für mehr Effizienz. Die Bundesländer müssen sich aktiv für eine Verbesserung der Situation kleiner KWK-Anlagen einsetzen, damit die Energiewende auch in größeren Städten möglich wird.
Jörg Lange, Sprecher des Klimabündnis Freiburg, weist darauf hin, dass nicht jede KWKAnlage im Sinne des Klimaschutzes sinnvoll ist. Per Gesetz werden auch große Kohlekraftwerke gefördert, wenn ihre Abwärme in Form von Fernwärme nutzbar gemacht wird. Diese Wärme wird aber mit der zwei- bis dreifachen Menge an klimaschädlichen Emissionen erkauft wie die Wärme, die aus kleinen erdgasbetriebenen KWK-Anlagen zum Beispiel Wohnblöcke versorgt.
Die Bundesregierung hat sich das Ziel gesetzt, den KWK-Anteil an der Stromerzeugung bis 2020 auf 25 Prozent zu verdoppeln. Eine Erfolgsanalyse seit der letzten Gesetzesänderung im Jahr 2009 hat aufgezeigt, dass der Deckel der KWK-Förderung von maximal 750 Millionen Euro pro Jahr jedoch nicht einmal annähernd ausgeschöpft wurde. Daran wird sich auch mit dem jetzigen Novellierungsentwurf nichts ändern, weshalb die Ziele der Bundesregierung in weite Ferne rücken.
Auf dem dezentralen Auge blind
Die wenigen beschlossenen Änderungen nutzen vor allem den Betreibern von Großkraftwerken und ignorieren damit das große Potenzial dezentraler Energieerzeugung:
- Für KWK-Anlagen, die ab 2013 der Emissionshandelspflicht unterliegen, werden die Zuschläge erhöht. Zur Steigerung des KWK-Anteils würden damit vor allem die bereits im Bau oder in der Planung befindlichen, großen, neuen Kohlekraftwerke beitragen, wie Lünen, Karlsruhe RDK 8, Mannheim GKM Block 9, Hamburg Moorburg A, Hamburg Moorburg B, Datteln 4. Denn auch diese Kohlekraftwerke würden über das KWK-Gesetz für ihren KWK-Strom eine Förderung von 1,5 Cent/Kilowattstunde (kWh), ab 2013 zukünftig 1,8 Cent/kWh erhalten! Eine Art „getarnter Kohlepfennig“, so die Freiburger Kritiker derGesetzesneufassung. Gasbetriebene KWK-Anlagen trügen dagegen einen vielfach höheren Beitrag zur CO2-Vermeidung und zur Energiewende bei.
- Darüber hinaus werden Maßnahmen zur KWK-Nachrüstung von Kondensationskraftwerken förderfähig. Dies sind herkömmliche Kraftwerke, die ihre Abwärme bisher nicht nutzen. Eine Umrüstung macht die Abwärme nutzbar, z.B. für ein Fernwärmenetz. Das verbessert die Gesamt-Energieeffizienz des Kraftwerkes, kann aber die wichtige Stromerzeugung mindern.
- Wärmenetze erhalten 30 statt 20 Prozent Zuschuss und Wärmespeicher erstmalig bis zu 30 Prozent der Investitionskosten.
Marktanreiz per Einspeiseregelung dringend erforderlich für kleine KWK
Insbesondere das riesige ökologische und ökonomische Potential kleiner KWK-Anlagen (Anlagengrößen zwischen 10 und 2000 Kilowatt elektrischer Leistung (kWel)) hat die Bundesregierung entweder noch nicht erkannt oder sie will es nicht, um die großen Versorger zu schützen.
Eine Anreizregulierung vergleichbar dem erfolgreichen Erneuerbaren Energiengesetz (EEG) mit leistungsabhängiger Einspeisevergütung könnte hier in wenigen Jahren zur Marktdurchdringung führen. Denn durch die bisher geringen Stückzahlen sind die Anschaffungskosten der „Kleinen“ für eine schnelle Marktdurchdringung noch zu hoch. Kleine KWK-Anlagen, auch Blockheizkraftwerke oder BHKWs genannt, bestehen im Wesentlichen aus einem umgebauten Auto-, LKW- oder Schiffsmotor mit einer großen „Lichtmaschine“, dem stromerzeugenden Generator. Insbesondere die Kleinsten sind aber vergleichsweise teuer. Ein Mini-BHKW mit 20 kWel kostet etwa 40.000 Euro. Ein Kleinwagen mit vergleichbarer Motorleistung kostet dem gegenüber nur ca. 10.000 Euro. Der Grund ist, dass Mini-BHKWs bisher nur in kleiner Stückzahl gebaut werden, sozusagen in vorindustrieller Manufaktur. So wurden im Jahr 2010 in Deutschland lediglich 1371 kleine KWK-Anlagen neu gebaut. Demgegenüber stehen in Deutschland 600.000 Heizungserneuerungen pro Jahr an.
Kleiner Aufwand - nachhaltige Wirkung
Um z.B. den Strom aus Kohle bis 2020 mit Strom aus dezentralen Blockheizkraftwerken weitgehend zu verdrängen, würden weniger als fünf Prozent der jährlichen Motorenproduktion (5,5 Mio. PKW 2010) in Deutschland ausreichen - und das ohne den Gasverbrauch wesentlich zu steigern.
Mittelfristig kann das fossile Erdgas zudem durch Wasserstoff oder Methan ersetzt werden, produziert aus überschüssigem Strom aus Wind- und Solaranlagen, gespeichert in den bereits reichlich vorhandenen Gasspeichern. Hunderttausende und mehr BHKWs werden so Kernelemente für eine sichere Stromversorgung aus Erneuerbaren Energien und damit für die Energiewende.
Wirtschaft ist weitsichtiger
Im Gegensatz zur Bundesregierung haben einige Wirtschaftsunternehmen die Chancen dieses Konzeptes bereits erkannt. Greenpeace Energy und die Windkraftfirma Juwi erarbeiten Konzepte für Versuchsanlagen zur Gewinnung von „Windgas“. Die Lichtblick AG bietet bereits heute zusammen mit VW das Strom und Wärme produzierende „Zuhause-Kraftwerk“ an und selbst RWE macht inzwischen Werbung mit kleinen KWKAnlagen.
Das Gesetz braucht keine Zustimmung durch den Bundesrat. Die Bundesländer sind jedoch zur Stellungnahme aufgerufen. Die 1. Anhörung des Bundesrates ist für den 10.02.2012 geplant.
Für weitere Informationen
Dr. Jörg Lange, Tel. 0761-45687136, Email: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
www.klimabuendnis-freiburg.de
Quellen:
Bundesregierung, 14.12.11:
Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes
Pressemitteilung Rösler, 14.12.11:
Gesetzesnovelle gibt wichtige Impulse für Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung
BMWI, 24.11.2011:
Zwischenüberprüfung des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes
Prognos AG, 8.8.2011:
Zwischenüberprüfung zum Gesetz zur Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung
neue Internetpräsenz: BHKW-jetzt.de
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